Kurze Geschichte und Forschungsstand

Das dem amerikanischen Capitol nachempfundeneRegierungsgebäude von Palau
Das dem amerikanischen Capitol nachempfundene Regierungsgebäude von Palau C. Hartl-Reiter

Die Entdeckung Palaus durch die Europäer fand 1543 durch den spanischen Entdecker Ruy López de Villalobos statt, der die Inseln für Spanien in Besitz nahm. Aufgrund des nur schwierig zu durchquerenden Riffs gab es jahrhundertelang keine spanische Präsenz auf den Palau-Inseln, obwohl sie für die spanische Krone in Besitz genommen wurden. Der erste intensive Kontakt mit der westlichen Welt entwickelte sich nach dem Schiffbruch der britischen Antelope 1783. Die Briten tauschten ihre Feuerwaffen und Eisenwerkzeuge gegen das vorübergehende Bleiberecht und Unterstützung beim Bau eines neuen Schiffes. Dies verhalf dem Häuptling von Koror zu einer bedeutenden militärischen Überlegenheit in den häufigen Auseinandersetzungen mit anderen Clans. Dadurch verschob sich das politische Gefüge der zentralen Palau-Inseln nachhaltig (vgl. Krämer 1917: 109).  1899 verkauften die Spanier Palau zusammen mit dem größten Teil der restlichen Karolinen an das Deutsche Reich. Nur 15 Jahre später, am 14. August 1914 besetzte Japan die Inseln als Mandatsgebiet des Völkerbundes. Nach der Schlacht von Peleliu 1944 fiel Palau an die Amerikaner und wurde 1947 ein Distrikt des UN-Treuhandgebiets Pazifik-Inseln. Die Republik Palau wurde am 01.01.1981 gegründet, seit 1982 ist sie in freier Assoziation mit den Vereinigten Staaten von Amerika ist. Die Unabhängigkeit Palaus wurde am 01.10.1994 nach dem Inkrafttreten des ratifizierten Vertrages über die freie Assoziation mit den Vereinigten Staaten von Amerika rechtskräftig.

Die ersten systematischen Forschungen zur Anthropologie und Archäologie wurden während der deutschen Kolonialherrschaft durchgeführt. Augustin Krämer leitete von 1909 bis 1910 die Hamburger Südsee-Expedition und dokumentierte zahlreiche Aspekte des täglichen Lebens in Palau, wie Handwerkstechniken, soziale Strukturen, Riten, Topographie und Umwelt und Landgrenzen der verschiedenen Clans. Noch heute werden seine Aufzeichnungen bei Landeignerdisputen zu Rate gezogen.

Krämer beschreibt als erster im Detail die monumentalen Erdwerke auf der Insel Babeldaob. Er bezeichnet sie als „höchsteigenartige Stufenberge“ und macht Angaben zu den Dimensionen und der Gestalt und Details wie eingetieften Becken oder Gräben. Er unterscheidet terrassierte Hänge und sogenannte „Puddinghügel“, die zum größten Teil aus einer Krone und umlaufenden Wallgräben bestehen. Als mögliche Funktionen zieht er sowohl Gartenbau als auch Siedlungsplätze in Betracht. Ungewöhnlich für die damalige Zeit war, dass Krämer von seiner Frau Elisabeth begleitet wurde, die eine Vielzahl von Aquarellen von den Stufenhügeln und anderen Aspekten des Lebens in Palau anfertigte.

Stufenhügel in Ngaraard
Stufenhügel in Ngaraard aus Krämer 1917, Bd.1, Seite 229, Abb. 37

In den letzten Jahrzehnten gab es vermehrt archäologische Forschungen in Palau, sowohl auf den Rock Islands (c.f. Masse 1989; Carucci 1992; Fitzpatrick 2001, 2002a, 2002b, 2003a, 2003b; Fitzpatrick and Boyle 2003; Fitzpatrick et al. 2003; Clark and Wright 2003; Clark 2004; Clark 2005; Clark et.al. 2006), als auch auf den größeren vulkanischen Inseln (vgl. Osborne 1966, 1979; Lucking und Parmentier 1990; Liston et al. 1998a, 1998b, 1998c; Clark und Wright 2003; Phear et al. 2003). Vor allem auf Babeldaob wurden großangelegte Projekte durchgeführt: Der Bau der ersten Überlandstraße Ende der 90er Jahre wurde von umfassenden Dokumentationsarbeiten und rettungsarchäologischen Maßnahmen begleitet (Liston 1999; Wickler 2001; Wickler et al. 1998).

Erdwerk Euid Elked mit Erdwerk Ngerbuns el Bad im Hintergrund
Erdwerk Euid Elked mit Erdwerk Ngerbuns el Bad im Hintergrund A. Kühlem

Ein Ergebnis der Untersuchungen war eine neue Chronologie für die Besiedlung Palaus. Pollenuntersuchungen zeigen schon gegen 4500 BP einen deutlichen Rückgang von Baumpollen zugunsten von Graspollen. Dies wird als großflächige Entwaldung zugunsten von Gartenbau- und Siedlungsflächen interpretiert (Athens and Ward 2005: 113; Masse et al. 2006: 127). Auf den Rock Islands als auch auf den vulkanischen Inseln lassen sich erste Besiedlungsspuren zwischen 3300 und 3000 BP nachweisen (Fitzpatrick 2003c; Liston 2005).

Laut Liston (2005) und Wickler (2001) konzentrierte sich die initiale Besiedlung auf die Küstenbereiche von Babeldaob. Zwischen ca. 2050 und 1750 BP tauchen dann weitläufige Cluster von überformter Landschaft im Inland der Insel auf. Jedes Cluster enthält Erdwerke von monumentaler Dimension und definiert lt. Liston (2009) einen soziopolitischen Raum. Bemerkenswert ist das Auftreten von monumentaler Architektur Jahrhunderte bevor es Vergleichbares bei anderen Inselgesellschaften in Ozeanien gibt. Um 1200 BP kam die Errichtung der Erdwerke zum Erliegen. Etwa gleichzeitig lässt sich eine Intensivierung der Nutzung der Rock Islands nachweisen (Masse 1989: 73).

Steinplattform auf einer der Rock Islands
Steinplattform auf einer der Rock Islands A. Kühlem

Die Gründe, warum die große vulkanische Insel Babeldaob nahezu aufgegeben wurde und stattdessen auf den kleinen versprengten Karstinseln gesiedelt wurde, sind bisher nicht erforscht. Sicher ist, dass dies tiefreichende Veränderungen nahezu aller Lebensbereiche mit sich brachte. Veränderungen der Subsistenz, Siedlungsgröße und -form, sozialer Organisation etc. bedingen sich aus der Anpassung an völlig andersartige Lebensumstände auf beengtem Raum mit sehr begrenzten Ressourcen.

Erst ab ca. 700 BP wurden die längst verlassenen Erdwerke erneut genutzt um weitläufige Steindörfer mit Hausplattformen, gepflasterten Wegen und Wasserbecken anzulegen. Die Jahrhunderte früher geschaffenen horizontalen Flächen boten hierfür ideale Standorte.

 

Steindorf in Ngatpang
Steindorf in Ngatpang A. Kühlem

Einleitung
Besondere Herausforderungen des Insel-Ökosystems
Der Faktor Mensch
Die monumentalen Erdwerke Babeldaobs
Der erste Kontakt mit Europäern
Kurze Geschichte und Forschungsstand
Offene Fragen
Geoarchäologische und archäologische Untersuchungen
Einbindung der lokalen Bevölkerung
Projektdaten