Ökologie des Schilfes

Das Schilf ist ein Vertreter der Süßgräser und gehört damit zu den Einkeimblättrigen Pflanzen. Als lateinischer Name wird neben der aktuellen Bezeichnung Phragmites australis auch noch häufig das Synonym Phragmites communis verwendet. Die große Spannbreite unterschiedlicher Ausprägungstypen hat dazu geführt, dass in der Literatur eine ganze Reihe von Schilf-Typen unterschieden werden. Die Formenvielfalt wird von einer großen Variation in den Chromosomenzahlen begleitet, die sich jeweils auf den Basischromosomensatz von x = 12 zurückführen lassen. Es ließen sich bislang jedoch keine einfachen Zusammenhänge zwischen der Größe der Pflanzen und der Anzahl der Chromosomen finden, da neben der Genetik die Ausprägung der Pflanzen von einer Vielzahl von Umweltfaktoren bestimmt wird.


Foto Schilf

Abb. 1: Schilfbestand ohne Blüten im Spätsommer

 

Schilfpflanzen wachsen an einer Vielzahl von Standorten an Land und im flachen Wasser. Neben Feuchtwiesen und Mooren werden Bruch- und Auenwälder sowie nährstoffreiche Gewässer besiedelt. An den Ufern von Gewässern liegt die Besiedlungstiefe meist bei 1,2 - 2 m, in Ausnahmen aber auch noch darüber. Die Röhrichte an Gewässerufern sind in weiten Teilen Europas seit mehreren Jahrzehnten Gegenstand zahlreicher Untersuchungen, da ihre Ausdehnung zurückgeht. Während die Ausbreitung von Schilf im Grünland an vielen Standorten nicht selten als Problem angesehen wird, gehen die wasserständigen Schilfbestände häufig zurück. Das weltweit verbreitete Schilf ist also keine gefährdete Pflanzenart, aber die Gewässerufer verlieren durch den Röhrichtrückgang eine Vielzahl wichtiger Funktionen. Die Röhrichte beherbergen eine spezialisierte Lebensgemeinschaft, sie bieten Brutplätze und Nahrung für zahlreiche Arten. Gleichzeitig werden die Ufer stabilisiert und sie erhöhen den mikrobiellen Nährstoffumsatz und damit wahrscheinlich die Reinigungsleistung der Uferzone.

Schilfpflanzen sind mehrjährig und regenerieren sich im Frühjahr aus unterirdischen Sprossen, den so genannten Rhizomen. Dabei können zum Teil recht große Schilfbestände auf eine einzige Samenkeimung zurückgehen, die stets an Land stattfindet. Insgesamt sind die Pflanzen tolerant in Bezug auf den pH-Wert des Standortes, Salzgehalte, Wasser- und Nährstoffversorgung sowie Temperaturschwankungen. Längere Überschwemmungen direkt nach der Samenkeimung werden allerdings nicht überstanden und die kleinen Jungpflanzen brauchen ausreichend Licht. Daher findet eine Etablierung von Schilfbeständen aus Samen auf vegetationsfreien Gewässerufern nur bei lang anhaltenden Niedrigwasserständen während der Vegetationsperiode statt. Wie alt die Bestände werden können, die auf eine einzige Samenkeimung zurückgeführt werden können ist unklar, einzelne Rhizomabschnitte werden mehrere Jahre alt.

Eine rasche Ausbreitung kann bei etablierten Schilfbeständen bei längeren Niedrigwasserperioden beobachtet werden. Dann bilden sich so genannte Leghalme, die in einigen Wochen auf der Sedimentoberfläche mehrere Meter wachsen können. Von diesen wagerecht wachsenden Halmen können sich dann neue aufrechte Halme und seitlich wachsende Rhizome entwickeln.

In den Rhizomen werden am Ende der Vegetationsperiode Reservestoffe eingelagert. Die Menge der Reservestoffe bestimmt das Regenerationsvermögen von Schilfbeständen, so dass einige Schilfbestände sensibel auf Schäden reagieren, während derselbe Schaden bei einem anderen Bestand keinen Rückgang zur Folge hat. Neuste Untersuchungen haben gezeigt, dass hohe Anteile von Ammonium im Sediment die Stärkeeinlagerung in den Rhizomen behindert (Tylova et al. 2008). Hohe Ammoniumwerte treten auf, wenn einerseits viel Stickstoff vorhanden ist und andererseits Sauerstoffmangel herrscht. Liegt der Stickstoff in sauerstoffreichen Sedimenten dagegen als Nitrat vor, werden hohe Menge an Reservestoffen in den Rhizomen gefunden. Möglicherweise bestimmt dieser Zusammenhang die unterschiedliche Empfindlichkeit von Schilfbeständen.
 

Tylova, E., Steinbachova, L. Votrubova, O., Lorenzen, B. & H. Brix (2008): Different sensitivity of Phragmites australis and Glyceria maxima to high availability of ammonium–N.Aquatic botany 88, 93-98.