Projektbeschreibung

Die Rekonstruktion der Häufigkeit, der räumlichen Ausdehnung und insbesondere der Folgen extremer Niederschlagsereignisse für die Feststoffdynamik in den vergangenen 2000 Jahren in Norddeutschland steht im Fokus des beantragten Vorhabens. Methodisch vergleichbare, zeitlich hoch aufgelöste Untersuchungen der Geoarchive (von Kolluvien und jahreszeitlich geschichteten Seesedimenten) in drei kleinen Wassereinzugsgebieten entlang eines West-Ost-Transektes von Ostholstein bis Ostbrandenburg sollen klären, ob extreme Bodenerosionsereignisse zeitgleich stattfanden. Die integrative Analyse eröffnet die Möglichkeit, den Untersuchungszeitraum über das Zeitfenster zuverlässiger Schriftquellen zu verlängern, Ereignisstratigraphien zu erarbeiten und die Wiederkehrzeit von Witterungsextremen in der Vergangenheit zu rekonstruieren.

Ziele

Ziel 1: Die geplanten Untersuchungen werden durchgeführt, um die folgende Hypothese zu prüfen: „Extreme, überregional wirksame Starkniederschläge haben während Phasen ackerbaulicher Nutzung in Norddeutschland zeitgleich besonders intensive Bodenabträge ausgelöst.“ Die Rekonstruktion räumlicher und zeitliche Muster ehemaliger extremer Bodenerosionsereignisse erfolgt durch die zeitlich hoch auflösende vergleichende Analyse der Seesedimente des Belauer Sees (Schleswig-Holstein), des Woseriner Sees (Mecklenburg-Vorpommern) und des Kleinen Tornowsees (Brandenburg).

Ziel 2: Rekonstruktion der Intensität von jungholozänen Bodenumlagerungen (Bilanzierung von Phasen und Ereignissen), der Bodenentwicklung und der Transportpfade (einschließlich des Sedimentstransfers in die Seen) durch Untersuchung von Kolluvien innerhalb der Seeeinzugsgebiete.

Ziel 3: Vollständige Rekonstruktion des jungholozänen partikulären Stoffumlagerungsgeschehens innerhalb eines geschlossenen Seeeinzugsgebiets durch flächige Untersuchung der Böden und Kolluvien sowie des Seesediments. Für das Seeeinzugsgebiet des Kleinen Tornowsees (Brandenburg) werden:

  1. die partikulären Stoffumlagerungen entlang der Transportpfade für die unterscheidbaren Phasen der Landschaftsentwicklung rekonstruiert (inkl. Ausweisung der jeweils zum Eintrag in den See beitragenden Teileinzugsgebiete und der jeweiligen Sedimenttransferraten) und
  2. die Steuerungen dieser Prozesse in den vergangenen 2000 Jahren analysiert.