Projekt Stymphacore

EinBilde der zentralen Fragen, die mit diesem Projekt beantwortet werden sollen, ist die Wechselbeziehung zwischen Klima und der Kulturgeschichte im östlichen Mittelmeerraum. Der Fokus liegt dabei auf dem nördlichen Peloponnes. Ziel der Feldarbeiten ist es zunächst, Sedimentarchive zu erschließen, die die Umweltbedingungen während der letzten 9000 Jahre aufgezeichnet haben, das bedeutet bis zurück in die Jungsteinzeit (Neolithikum). Durch die Kombination verschiedener geochemischer und geophysikalischer Untersuchungsmethoden wollen wir die räumlichen und zeitlichen Veränderungen der Landnutzung rekonstruieren, ebenso wie den Einfluss des Klimas auf die Umweltentwicklung in der Region. Im Kern beschäftigt sich das Projekt zudem dem Balanceakt zwischen Nachhaltigkeit und Ausbeutung der natürlichen Ressourcen: wie gingen die unterschiedlichen Kulturen in der Region mit dem knappen Rohstoff Wasser um? Und wie nachhaltig war die jeweilige landwirtschaftliche Nutzung?

BildKlimatisch gesehen wird die Region zum einen durch die relativ große Wassermasse des Mittelmeers dominiert, die nur einen eingeschränkten Austausch mit dem Atlantik besitzt. Zum anderen wird die Region durch ihre besondere Lage in mittleren Breiten geprägt, umgeben von hohen Bergketten auf drei Kontinenten. Das heutige Klima zeichnet sich durch heiße und trockene Sommer und milde und feuchte Winter aus und wird zudem geprägt durch den starken Kontrast zwischen den teilweise vergletscherten Alpen mit hohen Niederschlagswerten und den subtropischen bis semiariden Regionen. Desweiteren liegt die Mittelmeerregion im Übergangsbereich zwischen dem Klima gemäßigter Breiten, am Rande der Bahn der nördlichen Sturmtiefs, und dem tropischen Klima, charakterisiert durch den absteigenden Ast der Hadley-Zelle. Daher reagiert die Region potenziell sehr sensibel auf Klimaveränderungen, was wiederum in Sedimentarchiven wie Seen, Mooren oder Poljen aufgezeichnet sein sollte.
 

DOKTORANDENPROJEKTE (START 2010)

  1. Teilprojekt: Die Umweltgeschichte des Stymphalos-Sees
    Dipl.-Geol. Christian Heymann
    beschäftigt sich damit, die Klimavariabilität, wie sie in den Seesedimenten aufgezeichnet wurde, mit der kulturellen und landschaftlichen Entwicklung in der Karstpolje von Stymphalia zu verknüpfen. Siedlungsaktivitäten in dem Gebiet sind spätestens seit dem 4. Jhd. v.Chr. bekannt und wurden auch von Pausanias ca. 150 n.Chr. beschrieben. Der Doktorand stellt Zeitserien von Klimaindikatoren zusammen, die aus detaillierten 14C Datierungen und verschiedenen geochemischen und geophysikalischen Analysemethoden bestehen.

  2. Teilprojekt: Die Umweltgeschichte der Elisch-Achaischen Küste (NW-Peloponnes)
    Dipl.-Geogr. Elke Hänßler
    beschäftigt sich damit, Meeresspiegel- und Klimaschwankungen, wie sie in lagunären oder liminschen Sedimenten erfasst wurden, in Verbindung zu setzen mit der kulturellen und landschaftlichen Entwicklung im Küstengebiet zwischen Kap Araxos und Pyrgos. Menschliche Aktivitäten in diesem Gebiet sind seit vorklassicher Zeit bekannt. Die Doktorandin stellt Zeitserien von Klimaindikatoren zusammen, die auf detaillierten 14C Datierungen und verschiedenen geochemischen und geophysikalischen Analysemethoden beruhen. Aufgrund dieser Daten sollte es möglich sein, Phasen erhöhter Sturmaktivität, Starkwellenereignisse sowie vorwiegend natürliche Schwankungen im Wasserdargebot und die Reaktionen der dort siedelnden Menschen zu rekonstruieren.

  3. Teilprojekt: Stymphalos: Die Landschaftswahrnehmung in der griech. und röm. Antike
    Saskia Hoffmann, M.A. (Hauptbetreuer: Prof. Lutz Käppel)
    beschäftigt sich mit der Beschreibung und Wahrnehmung der Landschaft rund um den Stympahlos in der Literatur der griechischen und römischen Antike. Als Quellen stehen beispielsweise Strabo, Pausanias oder auch Homer zur Verfügung. Die Arbeit soll das zwischen Natur- und Geisteswissenschaften interdisziplinär ausgelegte StymphaCore-Projekt abrunden und anhand der verwendeten schriftlichen Quellen Veränderungen in Umwelt oder Landnutzung gemeinsam mit den beiden anderen Projekten genauer erfassen, beschreiben und möglicherweise quantifizieren.