Projektbeschreibung

Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurde an zahlreichen Seen Mitteleuropas ein deutlicher Rückgang der Schilf-Röhrichte (Phragmites australis) beobachtet. Die einzelnen Faktoren, die diese rückläufige Entwicklung verursachen, werden seit vielen Jahren untersucht und kontrovers diskutiert. Zunächst wurde davon ausgegangen, dass die Eutrophierung der Gewässer negative Auswirkungen auf Halmstruktur und –stabilität des Schilfes hat und dass beschleunigtes Wachstum sowie verringerte Sklerenchym-Anteile eine steigende Empfindlichkeit gegenüber mechanischen Belastungen bedingen. Zu den direkten mechanischen Belastungen zählen (erhöhter) Wellenschlag durch Wind oder Bootsverkehr und Freizeitnutzung, während Veränderungen der Gewässerhydrologie, uferbauliche Maßnahmen und erhöhte Treibholzmengen als indirekte mechanische Belastungen betrachtet werden. Eine weitere Folge der Eutrophierung sind in den Sommermonaten verstärkt auftretende Matten von Fadenalgen (z.B. Cladophora glomerata), die vom Wind in die Röhrichte verdriftet werden. Zusätzlich wurde der Einfluss der Substratbeschaffenheit auf die Vitalität des Schilfes untersucht. Dabei wurden z.B. die Auswirkungen von Streuauflagen, verringerten Sauerstoffgehalten und hohen Säuregehalten im Interstitialwasser analysiert. Während der Eutrophierung als primäre angenommene Rückgangsursache heute weniger Bedeutung beigemessen wird, stehen die indirekten Auswirkungen erhöhter Nährstoffgehalte sowie die anderen genannten Faktoren, insbesondere die Veränderung der Gewässerhydrologie und Treibholz, weiterhin im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses.

In dem maßgeblich von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und von der EU über LEADER+ finanzierten Projekt „Renaturierung degradierter Uferabschnitte an Seen der Holsteinischen Schweiz“ (Laufzeit 2005 – 2009) wurden die Ursachen des Schilfrückganges insbesondere am Großen Plöner See und am Großen Eutiner See analysiert. Am Großen Plöner See ist seit den 1950er Jahren ein Rückgang des Schilfes um ca. 90% zu verzeichnen, während der Große Eutiner See erst seit wenigen Jahren vom Schilfrückgang betroffen ist. Zusätzlich zu den bislang diskutierten Faktoren wurde im Rahmen des Projektes der Einfluss der Beweidung der Schilfbestände durch Wasservögel (besonders durch Graugänse) erfasst. Graugänse sind zwar bereits seit längerer Zeit als Brutvögel in Norddeutschland vertreten, verbringen aber erst seit 10 – 15 Jahren in zunehmenden Anzahlen auch die Mauserzeit auf norddeutschen Gewässern. Während der Mauser im Frühjahr suchen die flugunfähigen Vögel bevorzugt schützende Schilfbestände auf und verbeißen die frisch aufwachsenden Halme. Ziel war es, auf Grundlage von Untersuchungen zur Ökologie des Schilfes und zum Einfluss der Herbivorie durch Wasservögel ein Renaturierungskonzept für ausgewählte Uferabschnitte der genannten Gewässer zu entwickeln. Zudem wurde ein übertragbarer Leitfaden zur Erhaltung und Entwicklung der Röhrichte unter Berücksichtigung eines ornithologischen Managementkonzeptes aus den Untersuchungsergebnissen abgeleitet.
Im Rahmen einer Doktorarbeit wurde der zeitliche Verlauf und die Ursachen für die Veränderungen der Röhrichtgürtel an Seen der Holsteinischen Schweiz analysiert und die Ergebnisse dem LLUR, Abteilung Gewässer zur Verfügung gestellt. Es sind historische und aktuelle Luftbilder ausgewertet worden und es fanden experimentelle Untersuchungen zum Einfluss von Beweidung, Beschattung und Hydrologie auf Wachstum und Etablierung von Schilfpflanzen an ausgewählten Gewässern statt.
Abschließend fanden Neuanpflanzungen an drei Abschnitten des Großen Plöner Sees statt, mit Schilfpflanzen, die aus regionalem Saatgut gezogen wurden.