Der Einfluss der Schilf-Mahd auf die aquatischen Röhrichte

Zum Einfluss der Schilfmahd wurden im Projekt eigene Untersuchungen durchgeführt. Anlass hierfür war die Feststellung, dass diese Art der Schilfnutzung in der Vergangenheit eine große Rolle gespielt hat, als die Schilfbestände noch stabil waren. Es stellte sich die Frage, ob die Aufgabe der Schilfnutzung zum Rückgang der Schilfbestände beigetragen haben könnte. Am Großen Plöner See wurde die Schilfmahd Anfang der 1970er Jahre eingestellt, am Großen Eutiner See etwa 1975, am Diek- und Kellersee jeweils Mitte bis Ende der 1960er Jahre.

Die Reetmahd findet heute vielfach nicht an Gewässerufern statt, sondern auf feuchten Landflächen. Daher muss bei der Zusammenstellung von Literaturangaben auf die genauen Eigenschaften der jeweils untersuchten Flächen geachtet werden. Darüber hinaus bestimmen die eingesetzten Mähmaschinen und die jeweilige Witterung bei der Ernte die Auswirkungen auf die Schilfbestände. Während ein Reetschnitt auf dem Eis die Reserveorgane der Bestände schont, können die Rhizome bei milder Witterung durch die Erntefahrzeuge massiv geschädigt werden.
 

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Abb. 1: Schilfmahd auf Sylt   Abb. 2: Rhizomschäden nach Schilfmahd am Neusiedler See

 

Unabhängig von diesen Unterschieden in den Standorten und der Erntetechnik stellt sich die Frage, wie man den Einfluss der Mahd auf die Schilfbestandsstruktur bewertet. Ein Auszählen der Halmzahl pro m² ergab in zahlreichen Untersuchungen eine höhere Halmzahl in gemähten Flächen. Diese Halme wiesen jedoch nicht selten eine geringere Höhe, geringere Festigkeit und weniger Blüten auf, so dass die Biomasse insgesamt zum Teil geringer war.

Bei den durchgeführten Untersuchungen wurden sowohl aquatische Röhrichte untersucht, die direkt in der Uferzone von Seen wuchsen und meist von Privatpersonen gemäht wurden, als auch semiterrestrische Bestände, die zumeist kommerzieller Nutzung unterlagen. Es wurde die Halmzahl pro m² erhoben, Anzahl der Blüten, Insektenbefall, die Halmlänge und der Halmdurchmesser. Es ergaben sich für alle untersuchten Parameter keine signifikanten Unterschiede zwischen gemähten und ungemähten aquatischen Röhrichten. Bei den semiaquatischen Röhrichten konnte eine geringere Halmzahl pro m² in den gemähten Beständen gefunden werden, die allerdings statistisch nicht signifikant war. Der Anteil rispentragender Halme war den gemähten Beständen signifikant geringer. Halmlänge, -durchmesser und Insektenbefall zeigten dagegen keine Unterschiede.

Die Ergebnisse zeigen, dass bei der Bewertung der Auswirkungen der Schilfmahd zwischen den Beständen an Gewässerufern und feuchteren Landflächen unterschieden werden muss. Während für die Gewässerufer kein einziger Parameter gefunden werden konnte, der auf eine Förderung von Schilfbeständen durch Mahd hinweist, profitiert Schilf an Land von der Mahd. In den semiaquatischen Schilfbeständen verhindert die Mahd zudem die Etablierung von Gehölzen, die auf Dauer das Schilf aus diesen Bereichen verdrängen würden
Die detaillierten Ergebnisse sind im 2006 in einem Bericht zusammengefasst, der für das Landesamt für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein, Abteilung Gewässer, erstellt wurde.