Klimawandel, Mobilität und Transformationsprozesse. Mensch-Umwelt-Interaktionen in (Prä)historischen Gesellschaften der Arktis

Der Fokus des Projekts basiert auf Mensch-Umwelt-Interaktionen (Prä-)historischer Gesellschaften in der Arktis. Die primäre Frage des vorliegenden Forschungsplans zielt darauf ab, wie klimatische Bedingungen den Menschen und folglich die Nutzung seiner Ressourcen von 2500 v. Chr. bis in die heutige Zeit beeinflusst hat.Die extremen klimatischen Bedingungen der Arktis erfordern eine kontinuierliche Anpassung der Überlebensstrategien von Mensch und Tier an die Natur. Sie können in Untersuchungen zu Klima und Archäologie belegt werden. Diese meist kleinräumigen und regional angesiedelten Studien werden ergänzt durch eines der besten Klimaarchive der Welt auf. Dank grösseren Projekten der vergangenen Jahrzehnte liegen die Forschungsdaten aus allen Disziplinen und Zeitabschnitten publiziert vor. Dennoch fehlen bisher übergreifende Studien zur Verbindung von archäologischen und klimatischen Datensätzen, die die Mensch-Umwelt-Interaktionen sichtbar werden lassen.

 
Übersichtskarte des Untersuchungsgebiets. Karte: Mirco Brunner. Daten: Natural Earth Data (naturalearthdata.com), CAFF/ABDS GeoNetwork catalogue (geo.abds.is), CARD 2.0 (canadianarchaeology.ca).
Übersichtskarte des Untersuchungsgebiets ( vergrößern)
Karte: Mirco Brunner. Daten: Natural Earth Data (naturalearthdata.com), CAFF/ABDS GeoNetwork catalogue (geo.abds.is), CARD 2.0 (canadianarchaeology.ca)

 

Das Ziel ist die Ausarbeitung von Modellen zu Mobilität und Transformationsprozessen in der Arktis – basierend auf der Zusammenführung naturwissenschaftlicher und archäologischer Daten. Die gewonnenen Erkenntnisse werden mit ausgewählten, sozialanthropologischen Fallbeispielen in Verbindung gebracht. Damit können folgende archäologisch relevante Aspekte beantwortet werden: Interaktion und Netzwerke, Mobilität und Migration sowie Handelsökonomie und politische Ökonomie.

Umgesetzt wird das Vorhaben mittels eines multimethodischen und interdisziplinären Ansatzes, der klimatologische und demographische Proxies korreliert. Dazu werden anthropogene Hinterlassenschaften, Radiokarbondatierungen als auch Klimadaten aus Eisbohrkernen statistisch quantitativ und qualitativ ausgewertet. Somit ist es möglich Modelle zu Mensch-Umwelt-Interaktionen zu generieren. Dadurch werden die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt der letzten 4500 Jahre deutlich. Es kann herausgearbeitet werden, wie der Mensch einen Lebensraum, der von extremen Bedingungen geprägt ist über Jahrtausende nutzte und selbst mitprägte.

Die Ergebnisse dieser Arbeit werden helfen vergangene Prozesse zu verstehen und schaffen einen Bezug zu aktuellen Klimaentwicklungen. Die abzusehende Klimaerwärmung betrifft die arktischen Regionen besonders stark, dessen Bevölkerungen weiterhin mit enormen wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen konfrontiert sein werden. Die grossräumige Zerstörung von bisher bestens erhaltenen Siedlungsplätzen und Nekropolen zeichnet sich schon heute ab und dürfte in Zukunft rasant zunehmen. Daher braucht es für die Arktis nachhaltige Forschungskonzepte, die der Wissenschaft für diese Herausforderungen zur Verfügung stehen.

Projekt in der SNF-Forschungsdatenbank