Zeitlose Arktis: kommerzielle Jagd in der Rekonstruktion von menschlichem Einfluss in Svalbard

Unter dem übersetzten Titel „Zeitlose Arktis: kommerzielle Jagd in der Rekonstruktion von menschlichem Einfluss in Svalbard“ nimmt mein Projekt uns mit auf eine Zeitreise nach Svalbard (Spitzbergen) von seiner Ersterwähnung durch Willem Barents 1596 bis in die Gegenwart. Das beliebte Bild von Eisbären, die eine unberührte weiβe Wildnis durchstreifen, ist falsch. Seit über vier Jahrhunderten haben menschlicher Entdecker- und Unternehmergeist unwiderrufliche Konsequenzen für die arktischen Ökosysteme. „Zeitlos“ ist gewollt doppel-deutig: es bezieht sich sowohl auf die scheinbare Unveränderlichkeit der Region als auf den Umstand, dass die Daten fehlen, um das Gegenteil zu beweisen.

Svalbard ist etwas Besonderes im pan-arktischen Kontext. Hier gab es keine indigenen Völker. Wir erleben heute den einzigartig unverfälschten Ausdruck kommerziell-motivierter Jagd durch Europäer in einer Randregion. „Zeitlose Arktis“ hat das wissenschaftliche Ziel, die überwiegend qualitativen Angaben zur Jagd auf Wale, Walrosse, Eisbären, Polarfüchse und Rentiere quantitativ auszuwerten und neue Datensätze zu erheben. Dies ermöglicht 1) die Systematisierung von Trends im langfristigen anthropogenen Einfluss auf die arktische Umwelt und 2) den Entwurf von Modellen zwecks Beschreibung und Erklärung historischer Prozesse. Da hierfür sämtliche Quellen berücksichtigt werden müssen, wird parallel das strategische Ziel verfolgt, das historisch-archäologische Wissen um Svalbard in einem Forschungsrahmenplan zusammenzufassen, um als Regelwerk für zukünftige Prognosen und Entscheidungen zu fungieren.

Die historischen Materialien für „Zeitlose Arktis“ sind vielfältig und vielseitig. Log- und Tagebücher, Expeditions- und Reiseberichte, Firmenunterlagen, Skizzen, Fotos und mehr sind in verschiedenen Sprachen teilweise veröffentlicht oder befinden sich in internationalen Archiven und Bibliotheken; norwegische Museen beherbergen archäozoologische Sammlungen aus Svalbard; weitere Daten können durch Feldarbeit in der Inselgruppe gesammelt werden. Die Resultate sollen vorwiegend in Fachzeitschriften und als öffentliche Datenbank präsentiert werden.
Der Wert und Nutzen von „Zeitlose Arktis“, in dem die Sonderstellung von Svalbard ein Labor für die Auswirkungen kommerzieller Jagd bietet, liegt in der Erzeugung von einer zeitlichen Tiefe, die durch moderne biologische Beobachtungen und Simulationen bisher nicht erreicht werden konnte, noch erreicht werden kann. Erst eine zeitlich hohe Auflösung ermöglicht die differenzierte Reflektion und gewährt Prognosen und Handelsoptionen, die mittelfristig Umweltbildung, -politik und -management zu Gute kommen.