Geoarchäologische und archäologische Untersuchungen

Karte Babeldaobs mit Lage der Fundorte
Karte Babeldaobs mit Lage der Fundorte C. Hartl-Reiter

Zur Klärung der oben genannten Forschungsfragen wurde im Januar 2019 ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes interdisziplinäres Projekt in Palau begonnen. Es handelt sich hierbei um eine Kooperation des Instituts für Ökosystemforschung der Christian-Albrechts-Universität mit der Kommission für Außereuropäische Archäologie des Deutschen Archäologischen Instituts. Ziel ist es, anhand von geoarchäologischen und archäologischen Methoden die Erdwerke Babeldaob zu untersuchen und hierbei eine ganze Reihe der bestehenden Forschungslücken zu schließen. Hierfür wurden insgesamt 14 Erdwerke auf Babeldaob ausgewählt, die sich anhand ihrer Größe und Form und der topographischen Lage unterscheiden. Ziel war es, ein möglichst breites Bild der Erdwerke Babeldaobs zu bekommen. Der Forschungsplan sieht es vor, nach der Dokumentation der Erdwerke und der Untersuchung einer Vielzahl von Sondagen an einigen ausgewählten Standorten auch Flächengrabungen durchzuführen, um vor allem die Funktion bzw. verschiedenen Nutzungen nachweisen zu können.

Digitale Aufnahme
Der erste Schritt im Rahmen der Untersuchungen war die genaue Dokumentation der jeweiligen Erdwerke. Hierfür wurden im Januar 2019 und im September 2019 jeweils eine Dokumentationskampagne durchgeführt. Die Erdwerke wurden mit einer Drohne photogrammetrisch aufgenommen, um die genaue Lage, Größe, Form und Gestalt zu dokumentieren. Hierzu bedienten wir uns des Structure-from-Motion-Verfahrens, bei dem überlappende Luftbilder digital zu 3D-Modellen generiert werden. Das Ergebnis sind georeferenzierte Orthophotos und digitale Höhenmodelle mit einer hohen Auflösung und Genauigkeit.

Drohnenflug
Drohnenflug A. Kühlem

Die Orthophotos können anschließend dazu benutzt werden, an jeglichem Punkt des Erdwerkes dreidimensionale Koordinaten abzurufen und digitale Schnitte und Profile anzufertigen. Orthofotos (PDF, 15 MB)
Die digitalen Höhenmodelle erlauben es, auch kleine Details wie Vertiefungen oder Erhebungen des Reliefs zu erfassen. Die farbkodierten Modelle zeigen, dass in vielen Fällen die Erdwerke deutlich weitläufiger und komplexer sind, als mit dem bloßen Auge zu erkennen. Digitale Höhenmodelle (PDF, 20 MB)
Neben der wissenschaftlichen Dokumentation wurden Drohnenvideos der verschiedenen Erdwerke aufgenommen. Diese dienen dazu, die Monumentalität der Anlagen in der Landschaft zu veranschaulichen Alle Videos (Rechtsclick, Link in neuem Fenster öffnen). Die Erdwerke sind so weitläufig und komplex, dass es vom Boden aus unmöglich ist, sie in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Die Videoaufnahmen zeigen, um was für beeindruckende und vielgestaltige Bauwerke es sich handelt. Dies ist vor allem für die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung von großer Bedeutung, da die Erdwerke Babeldaobs durch moderne Bauprojekte und Landwirtschaft bedroht sind.

Sondagen
Nach Auswertung der digitalen Höhenmodelle wurden auf allen ausgewählten Erdwerken die Standorte für Sondagen festgelegt. Hinzu kamen einige Profile, an Stellen wo beim Straßenbau Bereiche der Erdwerke geschnitten wurden.

Drohenflug mit unseren palauischen Kooperationspartnern
Drohenflug mit unseren palauischen Kooperationspartnern D. Schäffler

Insgesamt wurden auf 10 der dokumentierten Erdwerke 37 Sondagen von 1 m x 2 m und sieben Profile angelegt. Es wurden die Bereiche der Anlagen hierfür ausgewählt, an denen die Wahrscheinlichkeit, dass originale Oberflächen erhalten sind, am größten ist. Unsere ursprüngliche Annahme war, dass nach Jahrhunderten der Erosion der Großteil der Oberflächen die Hänge hinabgespült wurde. Es stellte sich schnell heraus, dass dies nicht der Fall war: Die nachweisbare Erosion bewegte sich im Rahmen von nur wenigen Zentimetern. Die palauischen Baumeister hatten also Monumente von bemerkenswerter Stabilität geschaffen.

Die Sondagen waren im Regelfall ca. 1 m tief, die maximale Tiefe lag bei knapp über 2 m. Mit der Ausnahme von zwei Sondagen, befanden wir uns in allen Fällen immer noch in der Terrassenfüllung. Die Matrix ist in allen diesen Fällen bis auf den Grund der Sondagen mit Holzkohle und Keramikscherben durchmischt. Die große Anzahl an Keramikbruchstücken innerhalb der Terrassenfüllung und auch auf den Oberflächen ist bemerkenswert. Es zeigte sich deutlich, dass es sich bei den Erdwerken um Auftragungen handelt. Die Menschen haben einst erst den anstehenden weichen Saprolith beiseitegeschafft und zerkleinert. Dann trugen sie ihn in mehreren Schichten wieder auf, wobei das ursprüngliche Geländerelief stark verändert wurde. So wurden im ehemals hügeligen Gelände nicht nur horizontale Oberflächen geschaffen, sondern auch Kronen mit steilen Hängen und sogenannte knols, halbkugelförmige Aufbauten. Die Kronen und knols sind in vielen Fällen von umlaufenden Gräben umgeben, die in den weichen Saprolith eingegraben wurden; teilweise zeigen diese Gräben mehrphasige Entwicklungen.

 

Sondage im Erdwerk Ngermedangeb in Ngatpang
Sondage im Erdwerk Ngermedangeb in Ngatpang A. Kühlem
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In situ zerdrückte Keramik
In situ zerdrückte Keramik
A. Kühlem
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Anstehender Saprolith (Detail)
Anstehender Saprolith (Detail) A. Kühlem

In den oberen Bereichen der Auftragungen ließen sich fruchtbare Gartenböden und eine Vielzahl von Pflanzgruben nachweisen. Die Analyse der hier genommenen Sedimentproben soll Aufschluss über die Art von Pflanzen gaben, die hier einst angebaut wurden. Auch die Herkunft dieser fruchtbaren Böden, bzw. wie die Bodenbeschaffenheit für den Anbau optimiert wurde, soll anhand von Laboranalysen geklärt werden.

Profil durch den umlaufenden Graben am Fuße der Krone des Erdwerkes Ngerbuns el Bad in Aimeliik
Profil durch den umlaufenden Graben am Fuße der Krone des Erdwerkes Ngerbuns el Bad in Aimeliik H.-R. Bork

 

Beprobungen
Die Analyse von Bodenproben hat einen großen Anteil an der Klärung der Forschungsfragen, insbesondere der Fragen nach der Funktion der Erdwerke.

Korngrößenzusammensetzung
Erste oberflächennahe Sedimentproben wurden im Rahmen des Surveys genommen. Hierbei ging es darum, die Korngrößenzusammensetzungen zu bestimmen.
Alle Proben waren kalkfrei, wie es bei den hohen Niederschlagsraten in Palau zu erwarten war. Die Tongehalte der Proben variieren zwischen 10 % und knapp 30 % und haben damit ähnliche Eigenschaften wie Lössböden. Die Schluffgehalte liegen zwischen 50 % und 85 %. Damit haben die Böden gute Wasserspeicherkapazitäten und eignen sich dadurch für den Anbau von Kulturpflanzen. Ob die Erdwerke wirklich für gartenbauliche Zwecke genutzt wurden und um welche Arten von Pflanzen es sich hierbei handelte, lässt sich anhand des Vorkommens von pflanzlichen Mikrofossilien nachweisen.

Mikrofossilien
Zur Klärung der möglichen Funktion der Erdwerke für gartenbauliche Zwecke, werden die entnommenen Bodenproben auf Phytolithe und Stärkereste untersucht. Bei Phytolithen handelt es sich um mikroskopische Kristalle aus Siliziumoxyd, die in vielen Pflanzen enthalten sind und sehr diagnostische Formen ausbilden. Diese Kristalle, genau wie die Stärkemoleküle von Kulturpflanzen erhalten sich im Sediment und können auch Jahrhunderte nach der Aufgabe der Anlagen noch Nachweise über angebaute Kulturpflanzen liefern. Hier sind insbesondere die Proben aus den Pflanzgruben von großem Interesse.

Anthropogener Auftrag mit Holzkohle und Keramik in der Matrix
Anthropogener Auftrag mit Holzkohle und Keramik in der Matrix A. Kühlem
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Pflanzgrube im Profil einer der Sondagen
Pflanzgrube im Profil einer der Sondagen
A. Kühlem
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Mikroskopische Aufnahme eines Bananenphytoliths
Mikroskopische Aufnahme eines Bananenphytoliths
M. Tromp, A. Kühlem

Datierungen
Es wurden insgesamt 82 Holzkohleproben für Radiokarbondatierungen in den verschiedenen Sondagen genommen. Ziel ist es, die von uns untersuchten Erdwerke mit den bestehenden Chronologien in Relation zu setzen und zu untersuchen, ob bestimmte Erdwerktypen oder bestimmte Nutzungsformen einer bestimmten Phase zuzuordnen sind.  Für die zukünftigen Arbeiten sind auch Datierungen mittels optischer Lumineszenz (OSL) geplant.

Flächengrabungen
Für die nächste Phase des Projektes sind Flächengrabungen geplant. Nach Auswertungen der Ergebnisse aus den Dokumentationskampagnen und den Sondagen sollen besonders interessante Bereiche anhand von größeren Schnitten ausgegraben werden. Hier liegt der Fokus von allem auf der Klärung von Nutzung und Funktion der Erdwerke. Vereinzelte orale Traditionen berichten z.B., dass die Kronen für Signalfeuer genutzt wurden, dass Eliten in den knols bestattet wurden, oder dass Götter und Halbgötter auf den höchsten Punkten der Insel residierten. Die Ausgrabungen sollen u.a.  Rückschlusse auf solche möglichen rituellen Handlungen geben.

 

Einleitung
Besondere Herausforderungen des Insel-Ökosystems
Der Faktor Mensch
Die monumentalen Erdwerke Babeldaobs
Der erste Kontakt mit Europäern
Kurze Geschichte und Forschungsstand
Offene Fragen
Geoarchäologische und archäologische Untersuchungen
Einbindung der lokalen Bevölkerung
Projektdaten