Die monumentalen Erdwerke Babeldaobs

Terrassierte Landschaft in Ngeremlengui
Terrassierte Landschaft in Ngeremlengui C. Hartl-Reiter

Auf Palau und insbesondere auf Babeldaob gingen die Veränderungen des Ökosystems allerdings noch deutlich weiter. Gegen 2400 BP begannen die Palauer in bis dato beispiellosem Umfang die Landschaft Babeldaobs zu transformieren. Riesige Mengen an Material wurden bewegt, um im hügeligen Gelände horizontale Flächen, Terrassen und weitere Erdwerke zu schaffen. Diese monumentalen Anlagen dominieren die Landschaft Babeldaobs bis heute. Sie erstrecken sich meist über mehrere Hektar und bilden große weitläufige Komplexe, die häufig miteinander verbunden sind. Die Formen der Erdwerke legen eine Funktion nicht auf den ersten Blick nahe, wie es bei vielen landwirtschaftlichen Terrassenanlagen der Fall ist. Stattdessen gibt es Formen, die eine gartenbauliche Nutzung geradezu erschweren würden: Die künstlichen Hänge sind so hoch und steil, dass es schwierig ist, sie ohne Hilfsmittel zu erklimmen. Umliegende Gräben erschweren dies zusätzlich. Auch ist die Oberfläche der sogenannten Kronen, der höchsten Punkte dieser Anlagen, im Regelfall zu klein, dass eine gartenbauliche Nutzung sinnvoll erscheint.

Knol des Erdwerkes Ngerbuns el Bad in Aimeliik
Knol des Erdwerkes Ngerbuns el Bad in Aimeliik C. Hartl-Reiter

Die Funktion dieser Anlagen ist also trotz einiger archäologischer Untersuchungen in den letzten Jahren nach wie vor ungeklärt. Auch Fragen bezüglich der Genese, Chronologie und der Bedeutung der monumentalen Erdwerke sind noch offen. Fest steht aber, dass die Intensität und Dimension der Landschaftstransformation Babeldaobs zu diesem frühen Zeitpunkt einzigartig in der pazifischen Inselwelt war. Das pan-ozeanische Konzept der Monumentalität zum Zurschaustellen politischer und religiöser Macht scheint hier ihren Anfang genommen zu haben.

 

Einleitung
Besondere Herausforderungen des Insel-Ökosystems
Der Faktor Mensch
Die monumentalen Erdwerke Babeldaobs
Der erste Kontakt mit Europäern
Kurze Geschichte und Forschungsstand
Offene Fragen
Geoarchäologische und archäologische Untersuchungen
Einbindung der lokalen Bevölkerung
Projektdaten