Abteilung Ökosystemforschung, Geoarchäologie und Polarökologie

MenFoto Ranorarakuschen beeinflussen seit langer Zeit die Entwicklung der Landschaften der Erde. Landnutzung veränderte die Ökosysteme. Der Anbau von Kulturpflanzen und die Haltung von Weidetieren hinterließ Spuren in den Böden, den Sedimenten und im Relief der Landschaft. Durch Landnutzung  prägen Menschen in manchen Regionen seit Jahrtausenden den Wasserhaushalt und die Stoffkreisläufe in gravierender Weise.

Die Arktis und Antarktis gehören wegen ihrer extremen Umweltbedingungen und Unzugänglichkeit immer noch zu den am wenigsten untersuchten Gebieten der Erde. Die hier ablaufenden Prozesse sind in ihren Auswirkungen nicht auf die Polargebiete begrenzt, sondern haben globale Bedeutung.

WirFoto: Abdrücke von Palmwurzeln untersuchen mit ökosystemaren und geoarchäologischen Methoden, wann, wo, wie und warum Menschen die Landschaften und Meere der Erde genutzt haben. Wir gehen den Nutzungsfolgen und dabei den Wechselwirkungen zwischen menschlichen Kulturen und Veränderungen der Ökosysteme sowie dem Wandel des Klimas und den Wirkungen extremer Witterungsereignisse auf den Grund.

Unsere Untersuchungsgebiete liegen in Mittel-, Süd-, Südost- und Osteuropa, in der Türkei, in Äthiopien, in Sibirien und dem Nordpolarmeer, in Lateinamerika und auf Inseln im Pazifischen Ozean (Osterinsel, Robinson Crusoe Insel, Palau u.a.m.), im Atlantischen Ozean (US Virgin Islands, Madeira u.a.m.) sowie im Südozean (Antarktis).


In der Abteilung wird die internationale wissenschaftliche Fachzeitschrift Polar Biology (Springer-Verlag) herausgegeben.

Literatur-Datenbank des ehemaligen Instituts für Polarökologie (IPÖ) inklusive einer Zusammenstellung von Veröffentlichungen seit 1982

 

Personen in der Abteilung

 

Projekte


Projektbereich Erforschung von kontinentalen Ökosystemen

Geoarchäologisch-geomorphologische Untersuchungen in Haithabu

Ziel des im Rahmen des DFG Schwerpunktprogrammes 1400 iniziierten Subprojektes ist es, die Entwicklung des Klimas und der Umwelt im nördlichen Mitteleuropa im 5. und 4. vorchristlichen Jahrtausend zeitlich und räumlich hoch auflösend zu rekonstruieren.

Holozäne Bodenbildung und Bodenerosion im mitteldeutschen Schwarzerdegebiet

An verschiedenen Standorten in Sachsen-Anhalt werden begrabene detailliert untersucht, um verschiedene Stadien der Bodenentwicklung und -zerstörung und deren Prozesse zu rekonstruieren.

Geoarchäologisch-geomorphologische Untersuchungen auf Olchon im Baikalsee (Sibirien, Russland)

Am Kap Burchan („Schamanenfelsen“) verursacht stark zunehmender Tourismus gravierende flächen- und insbesondere linienhafte Bodenerosion. Gemeinsam mit der Staatlichen Universität Irkutsk, der Verwaltung des Pribaikalski Nationalparks und der Gemeinde Khuzhir werden die Entwicklung der Halbinsel am Kap Burchan rekonstruiert und geeignete Bodenschutzmaßnahmen identifiziert.


Projektbereich Erforschung von Inselökosystemen

Osterinsel (Rapa Nui, Chile: Landnutzungs- und Kulturwandel

Auf der Osterinsel werden Boden- und Sedimentarchive mit geoarchäologischen Methoden untersucht, um Erkenntnisse über den Wandel von Ökosystemen, seine Ursachen und seine Wirkungen auf die Gesellschaft und Kultur der Insel zu gewinnen.

Robinson-Crusoe-Insel (Chile): Historischer Landschaftswandel

Auf der etwa 700 km vor der chilenischen Küste liegenden Robinson-Crusoe-Insel werden die Folgen der Einführung von Haustieren und Neophyten sowie von historischen und rezenten Landnutzungen für die Ökosystementwicklung untersucht. Seit dem 2010 werden außerdem die ökosystemaren Konsequenzen des Tsunami vom 27.02.2010 an der Inselküste erforscht.

Babeldaob (Palau, Mikronesien): Erforschung prähistorischer Erdwerke

Auf der größten Insel Palaus ist geplant, die Genese der monumentalen terrassierten Erdwerke geoarchäologisch detailliert zu untersuchen. Vorarbeiten geben Hinweise auf verschiedenste Nutzungen und massive Landschaftsveränderungen.

Madeira (Portugal): Genese von Terrassensystemen

Im Norden von Madeira wird die Genese von Terrassensystemen mit geoarchäologischen Methoden untersucht. Bereits im 15. Jahrhundert wurden selbst steile Hangabschnitte aufwändig terrassiert.


Projektbereich SFB 1266 TransformationsDimensionen

Teilprojektes F2: Sozio-ökologische Transformationen und gegenseitige Abhängigkeiten

Im Fokus des Teilprojektes F2 „Sozio-ökologische Transformationen und gegenseitige Abhängigkeiten“ steht die Rolle ökologischer Veränderungen für kulturelle Entwicklungen in Phasen kulturellen Wandels. Um den überregionalen Wandel der Mensch-Umweltbeziehungen zu identifizieren, werden jahresgeschichtete Seesedimente auf einem geographischen Transsekt über verschiedene ökologische und kulturelle Zonen von Nordwestdeutschland bis Südostpolen miteinander verglichen.
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Teilprojekt D1: Tripolye-Cucuteni Großsiedlungen

Transformationen chalkolithischer Tripolye-Cucuteni-Großsiedlungen werden im Hinblick auf soziale Voraussetzungen und Konsequenzen, räumliche Verhaltensmuster, Organisation von Subsistenz und Wirtschaft sowie Nutzung der natürlichen Ressourcen untersucht.
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Projektbereich Polarökologie

Verbundprojekt: WTZ Russland - CATS; Das arktische transpolare System im Wandel; Vorhaben: Ökologische Konsequenzen des Klimawandels in sibirischen Schelfmeeren (TP4)

Die dem Klimawandel einhergehenden Umweltveränderungen (z.B. Erwärmung, Meereisrückgang, Ozeanversauerung) wirken sich besonders frühzeitig und stark in den polaren Regionen aus. Weil zudem die Nutzung polarer Ressourcen durch den Menschen und damit die Gefährdung arktischer und antarktischer Lebensräume zunimmt, ist ein besseres wissenschaftliches Verständnis der ökologischen Zusammenhänge in diesen hoch angepassten und sensiblen Ökosystemen dringend geboten.

Unsere meeresökologische Forschung konzentriert sich auf den Meeresboden (Benthos) polarer Meere. Die Fauna ist dort oft reicher als es die extremen Umweltbedingungen erwarten lassen würden. Verantwortlich hierfür ist die enge Kopplung des Benthals an die biologische Produktion in Pelagial und Meereis durch Sedimentation und Advektion organischen Materials. Dieser Prozess ist wegen der ausgeprägten Saisonalität und der insgesamt geringen Menge des Nahrungsangebots von großer ökologischer Bedeutung. Deshalb gehören die Wechselbeziehungen zwischen Meeresboden und Prozessen in der Wassersäule zu den Schwerpunkten unserer polarökologischen Untersuchungen. Die Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf die Laptewsee in der Arktis und die Weddellsee in der Antarktis.

Zeitlose Arktis: kommerzielle Jagd in der Rekonstruktion von menschlichem Einfluss in Svalbard

Unter dem übersetzten Titel „Zeitlose Arktis: kommerzielle Jagd in der Rekonstruktion von menschlichem Einfluss in Svalbard“ nimmt mein Projekt uns mit auf eine Zeitreise nach Svalbard (Spitzbergen) von seiner Ersterwähnung durch Willem Barents 1596 bis in die Gegenwart. Das beliebte Bild von Eisbären, die eine unberührte weiβe Wildnis durchstreifen, ist falsch. Seit über vier Jahrhunderten haben menschlicher Entdecker- und Unternehmergeist unwiderrufliche Konsequenzen für die arktischen Ökosysteme. „Zeitlos“ ist gewollt doppel-deutig: es bezieht sich sowohl auf die scheinbare Unveränderlichkeit der Region als auf den Umstand, dass die Daten fehlen, um das Gegenteil zu beweisen.

Svalbard ist etwas Besonderes im pan-arktischen Kontext. Hier gab es keine indigenen Völker. Wir erleben heute den einzigartig unverfälschten Ausdruck kommerziell-motivierter Jagd durch Europäer in einer Randregion. „Zeitlose Arktis“ hat das wissenschaftliche Ziel, die überwiegend qualitativen Angaben zur Jagd auf Wale, Walrosse, Eisbären, Polarfüchse und Rentiere quantitativ auszuwerten und neue Datensätze zu erheben. Dies ermöglicht 1) die Systematisierung von Trends im langfristigen anthropogenen Einfluss auf die arktische Umwelt und 2) den Entwurf von Modellen zwecks Beschreibung und Erklärung historischer Prozesse. Da hierfür sämtliche Quellen berücksichtigt werden müssen, wird parallel das strategische Ziel verfolgt, das historisch-archäologische Wissen um Svalbard in einem Forschungsrahmenplan zusammenzufassen, um als Regelwerk für zukünftige Prognosen und Entscheidungen zu fungieren.

Die historischen Materialien für „Zeitlose Arktis“ sind vielfältig und vielseitig. Log- und Tagebücher, Expeditions- und Reiseberichte, Firmenunterlagen, Skizzen, Fotos und mehr sind in verschiedenen Sprachen teilweise veröffentlicht oder befinden sich in internationalen Archiven und Bibliotheken; norwegische Museen beherbergen archäozoologische Sammlungen aus Svalbard; weitere Daten können durch Feldarbeit in der Inselgruppe gesammelt werden. Die Resultate sollen vorwiegend in Fachzeitschriften und als öffentliche Datenbank präsentiert werden.

Der Wert und Nutzen von „Zeitlose Arktis“, in dem die Sonderstellung von Svalbard ein Labor für die Auswirkungen kommerzieller Jagd bietet, liegt in der Erzeugung von einer zeitlichen Tiefe, die durch moderne biologische Beobachtungen und Simulationen bisher nicht erreicht werden konnte, noch erreicht werden kann. Erst eine zeitlich hohe Auflösung ermöglicht die differenzierte Reflektion und gewährt Prognosen und Handelsoptionen, die mittelfristig Umweltbildung, -politik und -management zu Gute kommen.

Film „Timeless Arctic“


Projektbereich Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“

Forschungsprojekte

Im Rahmen der Graduiertenschule wurden zahlreiche Forschungsprojekte mit dem Fokus auf Mensch-Umwelt-Interaktionen bearbeitet.
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