Entwicklung eines Konzeptes zum nachhaltigen Schutz von Stränden der Ostseeküste

Zielsetzung: Entwicklung eines Konzeptes zur nachhaltigen Nutzung sandiger Ostseestrände, das den Natur- und Artenschutz mit der touristischen Strandnutzung vereinbart
Projektbeginn: 1.6.2011
Laufzeit: 4 Jahre,

Ansprechpartner: Dipl.-Biol. Franziska Seer, fseer(at)ecology.uni-kiel.de, Tel.: 0431 880-1199
und Dipl.-Geogr. Torsten Düwel, tduewel(at)ecology.uni-kiel.de
Kooperationspartner: AG Kulturgeographie; Prof. Dr. Florian Dünckmann und
Klimabündnis Kieler Bucht; Prof. Dr. Horst Sterr
Förderpartner: DBU, Lighthouse Foundation
 

 

Badegäste, Hafenanlagen, Küstenschutz - die Strände der deutschen Ostseeküste unterliegen einer starken Nutzung. Welche Chancen bleiben dabei den dort lebenden Pflanzen und Tieren? Zwar hat in vielen Gebieten bereits der Schutz brütender Vögel am Strand einen hohen Stellenwert, die heimische Flora und übrige Fauna wird dagegen eher selten berücksichtigt. Bisherige Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Artenvielfalt von Pflanzen und einigen Tiergruppen schon bei extensiver Nutzung fast halbiert wird. Im Vordergrund des Projektes stehen daher Untersuchungen zu den Auswirkungen von Vertritt durch Touristen auf charakteristische Pflanzen und Tiere des Lebensraumes Strand.

Für dieArctos cinerea faunistischen Untersuchungen dienen große mobile Wolfspinnen (Lycosidae) als Modellorganismus. Dabei werden die gefährdete große Flussuferwolfsspinne (Arctosa cinerea) von kiesigen Sandstränden, Arctosa perita aus dem Primärdünen- und Sandstrandbereich und die Ackerwolfsspinne (Pardosa agricola) von Kiesstränden mit einbezogen. Für diese Untersuchung werden Strandabschnitte mit lebend fangenden Bodenfallen in einem dichten Netz von Probepunkten bestückt. Diese Methode dient dazu, die Populationsgröße und den Aktionsraum zu messen. Aus der Populationsgröße und der benötigten Strandfläche kann auf den Flächenbedarf der Populationen geschlossen werden.
Ein Versuch zur Wiederansiedlung des Strand-Sandlaufkäfers (Cicindela maritima) wurde im Schutzgebiet der Strandseenlandschaft bei Schmoel, wo die Art nicht mehr vorkommt, unternommen.

Um dnaturnaher Strand Langenwerderen Einfluss des Vertritts auf unterschiedliche Entwicklungsstadien typischer Strandpflanzen untersuchen zu können, werden Belastungsexperimente in Versuchsfeldern an verschiedenen Stränden durchgeführt. Die Anzucht der Pflanzen erfolgt in den Gewächshäusern und im Freilandbereich des Botanischen Gartens der Universität Kiel. Für den Versuch wurden Meerkohl (Crambe maritima), Salzmiere (Honckenya peploides), Spießmelde (Atriplex prostrata) und Meersenf (Cakile maritima) ausgewählt. Die Simulation verschiedener Vertrittdichten orientiert sich an Werten die zuvor auf den angrenzenden Stränden gemessen wurden. Neben einer Nullparzelle ohne Vertritt werden Parzellen mit Vertrittdichten von 1 Tritt m-2d-1 und 2 m-2d-1 angelegt.
Außerdem wird an mehreren Stränden entlang der südlichen Ostsee die Vegetation in Abhängigkeit von der Nutzung und der Entfernung zum Wasser erhoben. Hieraus lassen sich langfristige Trends eines kontinuierlichen menschlichen Einflusses auf die Artenzusammensetzung am Ostseestrand ableiten.

Zusätzlintensive Strandnutzungich werden das Nutzungsverhalten und die Nutzungsintensität durch Touristen an ausgewählten Potentialstandorten ermittelt. Die Interessen, Möglichkeiten und Konflikte von Akteuren an den Potentialstandorten werden durch persönliche Interviews erhoben.
Unter Einbeziehung all dieser Ergebnisse sollen schließlich zusammen mit Gemeinden, unterschiedlichen Interessenvertretern und bestehenden Projekten Leitlinien entwickelt werden, mit denen sich Naturschutz und touristische Nutzung an den Ostseestränden künftig besser vereinbaren lassen.