BEWAMO

Ein Bewertungstool für Kategorien der Schutzwürdigkeit und für ein fernerkundungsbasiertes Monitoring landwirtschaftlich genutzter Moore

Ungestörte Moore sind Ökosysteme mit einer besonderen Bedeutung für den Stoffhaushalt der Landschaft, da sie im Gegensatz zu anderen Ökosystemen eine positive Stoffbilanz aufweisen. Dies bedeutet, dass mehr Kohlenstoff gebunden als an die Umgebung abgegeben wird. Der hierfür verantwortliche Prozess ist die Torfbildung. Durch ganzjährig hohe Wasserstände nahe der Geländeoberfläche ist der mikrobielle Abbauprozess von abgestorbenem Pflanzenmaterial in ungestörten Mooren gehemmt, so dass sich organisches Material in Form von Torf ablagern kann.

In der heutigen Kulturlandschaft Mitteleuropas werden Moore überwiegend landwirtschaftlich intensiv genutzt. Um eine hohe Produktivität der Standorte zu garantieren, ist eine tiefe Entwässerung erforderlich. Die Entwässerung hat eine Bodendegradation und damit einhergehend die Freisetzung von im Boden gespeicherten Kohlenstoff (als CO2) sowie weiteren im Torf gebundenen Nährstoffen zur Folge. Um weitere Torfverluste zu verhindern, besteht aus Klima- und Gewässerschutzgründen dringender Handlungsbedarf. Jedoch sind konventionell wirtschaftende Landwirte aufgrund des hohen ökonomischen Druckes auf die intensive Nutzung der Moorflächen angewiesen, so dass die Freisetzung von klimarelevanten Treibhausgasen weiter anhält. Auch in Schleswig-Holstein, einem Bundesland mit einem Moorbodenanteil von fast 10% an der gesamten Landesfläche, besteht diese Problematik.

Im Verbundprojekt „BEWAMO“ beschäftigen sich Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachrichtungen mit dem Problem der Torfverluste auf landwirtschaftlich genutzten Mooren. Unter Leitung der Humboldt-Universität Berlin sollen landwirtschaftlich genutzte Moore sowohl nach gespeicherten Kohlenstoffmengen als auch nach der Vulnerabilität der durch Entwässerung zu erwartenden Kohlenstoffverluste differenziert beurteilt werden. Die Einstufung erfolgt nach moorkundlichen Bewertungsmethoden. Vorrangiges Ziel des Projektes ist es, aus den in den Mooren vorliegenden Kohlenstoffmengen und potenziellen Kohlenstoffverlusten Kategorien der Schutzwürdigkeit der jeweiligen Moorgebiete zu definieren. Mit Hilfe dieser Kategorien sollen unter Berücksichtigung der ökonomischen Rahmenbedingungen auf eine nachhaltigere Moornutzung zielende Argraumweltmaßnahmen benannt und durch ein geeignetes Monitoring mit Methoden der Fernerkundung umgesetzt werden.

Die Arbeitsgruppe Angewandte Ökologie des Institutes für Ökosystemforschung der CAU-Kiel beschäftigt sich seit langem mit moorökologischen Fragestellungen. Die Wissenschaftler/innen der CAU haben im Projekt BEWAMO die Aufgabe übernommen, die in Schleswig-Holstein vorkommenden landwirtschaftlich genutzten Hochmoore in Hinblick auf Kategorien der Schutzwürdigkeit auszuwerten und darauf aufbauend in Zusammenarbeit mit den Verbundpartnern umsetzungsfähige Konzepte für deren Erhalt zu entwickeln.

Projektlaufzeit: 01.07.2018 – 31.06.2021
Projektleitung: Prof. Dr. Joachim Schrautzer, PD Dr. Michael Trepel
Wissenschaftliche Bearbeitung: MSc. Tjark Martens
Projektförderung: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)